Muslime beten am 11.September für Frieden in einer gerechteren Welt

Gemeinsame Presseerklärung der muslimischen Verbände und Migrantenorganisationen in Deutschland zum 5. Jahrestag der Anschläge des 11.Septembers 2001

Anlässlich des 5. Jahrestags der Terroranschläge des 11.Septembers 2001 haben die unterzeichnenden muslimischen Verbände und Migrantenorganisationen in Deutschland am heutigen Tag in Köln der Opfer und Angehörigen gedacht und ihre Mitgliedsorganisationen aufgefordert gemeinsame Friedensgebete durchzuführen.

Die Verbände erklärten in einer gemeinsamen Stellungnahme weiter, „dass der 11. September 2001 sich in das Gedächtnis der Menschheit als Sinnbild für Gewalt, Terror und religiösen Extremismus eingebrannt hat“.

“Wir gedenken der Opfer und der Angehörigen dieses Anschlags, der sich gegen Unschuldige richtete und unter denen auch Muslime waren. Terror findet im Islam keine Rechtfertigung“.

“Wir rufen alle Muslime auf für Frieden und Gerechtigkeit unter allen Völkern in der Welt zu beten“.

“Der Islam ist die Religion des Friedenmachens. Der tagtägliche Friedensgruß „Salam“ stellt ein besonderes Symbol der Friedensbotschaft unseres Glaubens dar“.

“Wir ermutigen weiterhin die Muslime, über die Friedfertigkeit des Islam aufzuklären. Unser Appell gilt auch allen in der Gesellschaft, der insbesondere nach dem 11. September entstandenen Islamfeindlichkeit entschiedener entgegenzuwirken.”

Sie erklärten abschließend: „Die Entwicklungen nach den Terroranschlägen haben gezeigt, dass der weltweite Kampf gegen Terror, Gewalt und Extremismus nur dann zum Erfolg führt, wenn die Ursachen der Probleme an ihrer Wurzel bekämpft werden. Nur wenn es uns gelingt Gerechtigkeit, Respekt und Solidarität in den Mittelpunkt unseres tagtäglichen Handelns zu rücken, werden sich unsere Hoffnungen auf einen dauerhaften Frieden und ein Leben in Eintracht und Harmonie erfüllen“.

Zentrales Gedenkgebet 11.09.2006 DITIB 13.30 Uhr

Unterzeichner:

ABAF- Avrupa Ehli Beyt Alevi Federasyonu -l ATB – Verband der türkischen Kulturvereine e.V. in Europa - ATIB – Union der türkisch-islamischen Kulturvereine in Europa e.V. -l Cem Stiftung - DITIB Türkisch Islamische Union der Anstalt für Religion e.V. - Hür Türk Deutsch Türkischer Freundschaftsverband - IGMG Islamische Gemeinschaft Milli Görüs - Islamrat für die Bundesrepublik Deutschland - MÜSIAD - RTS Rat türkeistämmiger Staatsbürger - TIDAF – Bundesverband der Vereine Unabhängiger Industrieller und Unternehmer e.V. - UETD Union European Turkish Democrats - VIKZ Verband der Islamischen Kulturzentren - ZMD Zentralrat der Muslime in Deutschland

speichern & weitersagen

Siehe auch:



7 Kommentare
Hinterlasse einen Kommentar »

  1. Danke für diese klaren Worte. Sie haben so recht. Wer Respekt vor dem Leben hat, muss gegen Terror jeder Art sein. Ich wünsche mir, dass die muslimischen Glaubensgemeinschaften viel stärker in die Öffentlichkeit treten, sich mit anderen Religionsgemeinschaften austauschen und ebenfalls gemeinsam in der Öffentlichkeit aktiv werden. Religion, Glaube ist für das Wohl der Menschen da, gibt Menschen Orientierung, Kraft, Lebenssinn. Bitte wenden Sie sich entschieden gegen alle Bestrebungen in muslimischen Reihen, den wertvollen Islam als Waffe zu benutzen.
    Salam!

  2. Klare Worte?

    Wäre gut gewesen, wenn sich mal ein paar klare Worte gefunden hätten zu den Terroranschlägen vom 11. September, die immerhin von Arabern, die teilweise vorher in Deutschland lebten, unter Berufung und im Namen des Islam durchgeführt wurden.

    Nun könnte man denken, dass es überflüssig ist, solche offensichtlichen Fakten zu wiederholen.
    ABER nur ca. 35% der Muslime in Deutschland glauben überhaupt, dass die Attentäter Araber waren! (PEW Research 2006: 44% denken das nicht, vermuten wahrscheinlich Mossad, CIA, jüdische Weltverschwörung… und laut aktueller Gallup-Umfrage glauben auch in der Türkei 59% nicht an arabische Attentäter, noch bei Gallup 2002 waren es erst 43% !)
    Interessant also, dass sich die Presseerklärung dazu ausschweigt.

    Und dann findet diese Presseerklärung in ihrem relativ kurzen Text noch Platz, eine doppelte muslimische Opferrolle herauszustellen, einmal als muslimische Anschlagstote und dann als Opfer von “Islamfeindlichkeit”.

    Und im letzten Absatz, zu den Ursachen des Terrors wird ein Defizit an “Gerechtigkeit, Respekt und Solidarität” als Wurzel des Problems ausgemacht. Wie bequem, dann brauchen sich ja die Verbände auch nicht mit den gewaltbereiten Islamisten theologisch oder ideologisch auseinanderzusetzen…

    Klare Worte?
    Finde ich nur 6:
    “Terror findet im Islam keine Rechtfertigung”

    NUR, offensichtlich sehen das einige Muslime anders. Und noch schlimmer, die restlichen Muslime sind sich nicht einig, was als Terror bezeichnet werden darf: Bombenattentate in Madrid oder Köln, mehrheitlich ja, aber in Israel? oder Irak? Kashmir?
    (Dazu im PEW Research 2006 auf die Frage: “Do you think that suicide bombing and other forms of violence against civilian targets are justified in order to defend Islam from its enemies?”
    13% der Muslime in D positiv (often + rarely + sometimes), und in der Türkei sogar 26%)

    Was sollen eigentlich diese Selbstzitate(”Sie erklärten abschließend”) in der eigenen Presseerklärung? Gibt es noch ein längeres Original? Oder soll damit der Presse vorgegeben werden, wie die Erklärung zu zitieren ist?

  3. Es ist leicht die Ergegbisse einer Umfrage hier zu erwähnen, ob die Ergebnisse die Realität wiederspiegeln ist etw. anderes.

  4. @Maria: Ich bezweifle, ob es ja ein so klares Wort geben kann, um Sie zufrieden zu stellen. An jeder Verurteilung und Distanzierung wird auch immer etwas gefunden, damit es wieder jemandem nicht recht ist. Mal fehlt ein bestimmtes Wort, ein bestimmtes Ereignis wurde vergessen oder es wehen zu viele türkische Fahnen auf der Demo gegen Terror.

    Wann haben Sie sich eigentlich das letztemal für den Holocaust entschuldigt und für seine Opfer gebetet. Haben Sie sich schonmal an das polnische, französiche, holländische usw. Volk gewandt und sich für all die Schmerzen im 2. Weltkrieg um Vergebung gebeten.

    Was die Zahlen angeht, die Sie zitieren, halt ichs mit der Regel “Glaube keiner Statistik, die du nicht selbst gefällscht hast”. Abgesehen davon, ich bin Mitglied in einer muslimischen Organisation in Deutschland, habe viele Freunde in anderen Organisationen. Komisch, dass keiner je von solch einer Studie gehört hat. Mit wem haben die diese Studie gemacht, mit 13 Passanten in der Einkaufsgasse von Klein-Michelstadt.

    Möge jeder glauben was er will.

    MfG

    Abdulgani

  5. > halt ichs mit der Regel “Glaube keiner Statistik, die du nicht selbst gefällscht hast”.
    > Möge jeder glauben was er will.

    Nee! ich halts mehr mit:
    “You’re entitled to your own opinion, but not your own facts”

    Die PEW-Studie ist von Juli 2006, vergleicht mehrere europäische Länder und ist ganz lesenswert :
    http://pewglobal.org/reports/display.php?ReportID=253
    http://pewresearch.org/reports/?ReportID=254
    und ich wäre sehr interessiert, wenn Sie andere Meinungsumfragen zu dem Thema zitieren können!
    oder wie hoch schätzen Sie denn persönlich den Anteil der Verschwörungstheoretiker u.ä.?

    Ich ging und gehe davon aus, dass eine solche gemeinsame Erklärung ein Kompromiss ist und sorgfältig formuliert wird.
    Mir fehlen 2 Dinge in der Erklärung, zum einen die Benennung der Täter und zum anderen ein deutliches Zeichen, daß die Verbände die notwendige geistige Auseinandersetzung mit dem gewaltbereiten Islamismus führen wollen.

    Die obige Erklärung fordert nur zu folgendem auf
    - Muslime sollen für Frieden und Gerechtigkeit unter allen Völkern in der Welt beten
    - Muslime sollen über die Friedfertigkeit des Islam aufklären
    - die Gesellschaft soll der insbesondere nach dem 11. September entstandenen Islamfeindlichkeit entschiedener entgegenwirken

    An der Stelle hätten die Verbände auch eigene Initiativen der letzten 5 Jahre (falls es da etwas gibt, bspw. Kontrollen, für welche Zwecke vor Moscheen gesammelt wird oder muslimische Proteste gegen Hassprediger, …) erwähnen oder Forderungen wie die
    von Herrn Elyas bekräftigen können…
    http://islam-europe.org/2005/07/15/das-vertrauen-der-gesellschaft-setzt-das-vertrauen-der-gemeinschaft-voraus/
    (wobei ich “diesen Verbrechern laut ins Gesicht schreien: Der Islam will es nicht… Gott will es nicht!” nicht so wörtlich verstehe wie Sie:
    Es geht nicht darum, zu warten bis ein (mölichst schon rechtskräftig verurteilter) Terrorist vor Ihnen in der Moschee steht, den Sie dann anbrüllen.)

    PS: Ich frage mich noch, ob Ihr unpassender Holocaustvergleich nicht ein Fall von “Godwins Gesetz” ist…
    http://de.wikipedia.org/wiki/Godwins_Gesetz

  6. Hallo Maria,

    schaffen denn nicht gerade solche Statistiken und Studien eigene Fakten. “Wessen Brot ich ess, dessen Lied ich sing” ist eine weit verbreitete Faustregel in diesem Metier.

    Ich sehe kaum einen Sinn darin, explizit zu untersuchen, wie die muslimische Bevölkerung in Deutschland oder in der Türkei zu Verschwörungstheorien stehen. Ich denke, Verschwörungstheorien sind ein menschliches Problem. Mir stellt sich auch oft die Frage, ob es überhaupt einen Menschen gibt, der an keine Verschwörungstheorie glaubt? Der eine spricht von einer vermeintlichen jüdischen Weltverschwörung, eine Prof. Spuler-Stegemann schreibt über die muslimische Weltverschwörung. Der eine bezweifelt die Mondlandung, der andere betet in Richtung Area 51. Ich hätte mich gewundert, wenn es im Zusammenhang mit 9/11 keine Verschwörungstheorien gegeben hätte - die heftigsten Verfechter solcher Theorien finden sich nicht einmal unter Muslimen.
    Wieso untersucht der PEW eigentlich nur die Einstellung der Muslime und nicht die Einstellung der Gesamtbevölkerung (wow, wieder ‘ne neue Verschwörungstheorie, was man da jetzt wieder für internationale Bezüge konstruieren könnte :) )?

    Verschwörungstheorien sind nichts spezifisch muslimisches, nicht mal etwas spezifisch religiöses. Man findet solche Theorien zu den unmöglichsten Themen und in allen gesellschaftlichen Schichten vor. Ich bin sogar der Meinung, dass jeder mindestens eine eigene Mini-Verschwörungstheorie hat, wenn es nämlich um den eigenen Erfolg geht.

    Die Kritik, die ich an Ihre Kritik habe, ist die, dass Sie grundsätzlich davon ausgehen, dass wir(wer ist mit dem wir gemeint? lass ich mal offen) einen Zugang zu Terroristen haben, als würde dies schon qua Definition jedem Muslim eigen sein (ist nicht schon dies wieder eine Verschwörungstheorie: die bösen bösen Muslime, die die gefährlichen Terroristen in ihren Reihen verstecken). Dies war auch der Grund für meine Kritik an Herrn Elyas. Ich habe Herrn Elyas nicht literarisch verstanden, wie Sie meinen. Doch solch ein Auffruf und Ihre Erwartung setzt die Annahme und den Vorwurf voraus, dass es zwischen dem Ottonormal-Muslim, den Verbänden, den Moscheen und dem Terroristen eine Verbindung gibt. Und vor solch eine Annahme lass ich mich nicht spannen, sicherlich die anderen Muslime auch nicht.

    zum PS: Ich denke nicht, dass mein Vergleich (wenn es denn einer war) unter das “Godwins Gesetz” fällt. Es würden ja schon die von Godwin beschriebenen Voraussetzungen dafür fehlen. Abgebrochen hat es die Diskussion ja augenscheinlich auch nicht. Außerdem habe ich Sie auch an keiner Stelle als Nazi bezeichnet. Und das meint ja Godwin eigentlich.
    Abgesehen davon ist es vielleicht legitim im angelsächsischen Raum solch einen Merksatz zu formulieren, aber sicher nicht für Deutschland. Hier gehört einfach in jede Diskussion über Gewalt, Terror, Rassismus usw. die Auseinandersetzung mit dem Nazionalsozialismus in Deutschland dazu, gerade um nicht zu vergessen. Und von der “Wir wollen vergessen”-Leier kann und will ich einfach nichts hören. Ich war persönlich schockiert, als ein Mahnmal für die Justizopfer aus der NS-Zeit in Mannheim erst im Jahr 2002 aufgestellt werden konnte, weil der letzte Richter mit Blut an den Händen erst kurz davor gestorben war. DAS ist sicherlich keine Aufarbeitung. Dass es mir bei meinem “Vergleich”, wie Sie es nennen, nicht um platte Polemik ging, sollte hier deutlich werden.

    Mit freundliche Grüßen

    Engin