Über einen Feiertag, den niemand braucht und eine Aufregung, die noch unnötiger war

Zu einer schlechteren Zeit könnte der Einwurf Christian Ströbeles (Grüne), in Deutschland einen muslimischen Feiertag einzuführen, kaum kommen. Gut gemeint kann der Vorschlag ja schon sein, aber ihn einzubringen während die Abschaffung von bestehenden Feiertagen diskutiert wird, zeugt nicht von einem besonders gutem Taktgefühl.

Exemplarisch an dem Vorschlag ist jedoch, dass er gemacht wurde, ohne überhaupt die Meinung der Muslime zum Thema einzuholen. Wollen denn die Muslime überhaupt solch einen Tag, brauchen sie ihn, gefragt wurden sie im Vorfeld zumindest nicht. Ein solcher Anspruch wurde bisher von muslimischer Seite nicht artikuliert, wird auch nicht als nötig erachtet. Einerseits sehen die Muslime keinen großen Sinn darin, ihre Feiertage den Nicht-Muslimen aufzuzwingen, andererseits dürfte solch ein Vorschlag auch organisatorisch kaum zu bewältigen sein. Wie will man deutschlandweit zu einem relativ festen Termin einen Feiertag einführen, wenn der Feiertag selbst, ob Ramadan- oder Opferfest, jedes Jahr um zehn Tage wandert. Viel von einem religiösen Feiertag bleibt da nicht, wenn die Muslime das Ramadan-Fest zum Beispiel im Februar begehen, der offiziell aber erst im September gefeiert wird.

Auch angesichts der nicht gerade rosigen Wirtschaftslage ist das Fordern eines neuen Feiertags nicht angebracht. Den Muslimen reicht es völlig, wenn sie an diesen besonderen Tagen ohne große Schwierigkeiten von ihrer Arbeit beurlauben lassen können. Wenn nötig wird ein eigener Ferientag geopfert, darüber wird auch nicht geklagt, sondern eher als selbstverständlich erachtet. Zwar wäre es integrationspolitisch ein positives Signal, dass man den Muslimen so mehr Beachtung schenkt, Herr Ströbele hat bei seinem Vorschlag wahrscheinlich auch an diese Wirkung gedacht, aber letztendlich wäre es für die Muslime ein eher nutzloses rein psychologisches Signal.

Eins hat der Vorschlag jedoch wieder einmal gezeigt: Den Unionsparteien ist kein Thema zu schade, um wieder groß gegen Muslime auf die Pauke zu hauen und die Angst vor dem Islam zu schüren. Mag sein, dass der Vorschlag nicht gerade passend war, doch unpassender als die Bemerkung des CDU-Generalsekretärs Laurenz Meyer, dass auch niemand fordern könne in der Türkei einen Christi Himmelfahrtstag einzuführen, ist er sicherlich nicht gewesen. Abgesehen davon, dass in der Türkei keine drei bis vier Millionen Christen leben, stellt sich die Frage ob eine gute Behandlung der Muslime in Deutschland von der Union davon abhängig gemacht wird, wie Christen anderswo behandelt werden. Müsste denn dann eventuell eine Rechtlosstellung von Christen in irgendeinem despotischen Land die Folge haben, dass in Deutschland mit Muslimen genauso verfahren wird.

Der innenpolitische Sprecher der CSU-Landesgruppe, Wolfgang Zeitlmann, münzte Ströbeles Vorschlag sofort zu einem “er will weniger christliche Religion und dafür mehr muslimische Religion in Deutschland” um. Eine nur halb zu Ende gedachte Idee ist für Zeitlmann offensichtlich ein ausreichender Grund um Muslime und Nicht-Muslime gegenseitig an einer fiktiven Front in Position zu bringen.

Auch stößt es unter Muslimen auf Unverständnis, wie solch ein Thema, das sie zwar betrifft, aber für das sie keinerlei Verwendung haben, tagelang in dem Maße hoch gekocht werden konnte. Für die Unionspolitiker will man hoffen, dass ihr sofortiges Einschwenken in ihre Angriffshaltung nur daran liegt, dass sie derzeit innenpolitisch nicht gerade viel zu bieten haben und deswegen Bedarf nach Ausgleich suchen. Dass eine grundsätzlich feindliche und vorurteilsbeladene Haltung dafür ausschlaggebend ist, will natürlich niemand hoffen.

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